CRAFT OF CREATION | Kristina Busko

Kristina Buskos Gestaltungsprozess beginnt mit der Energie eines Ortes und einem ersten emotionalen Impuls, der sich erst im weiteren Verlauf zu einem ausgearbeiteten Konzept verdichtet. Sie arbeitet intuitiv, geleitet von Farbe, Texturen und alltäglichen Beobachtungen, und versteht das Interieur als eine lebendige Erzählung, die im Prozess heranreift. Ihr Ansatz verbindet hedonistische Freiheit mit funktionaler Achtsamkeit. Jedes Projekt wird zu einem Raum persönlicher Entscheidungen – mutig, unabhängig von flüchtigen Trends und fest im gegenwärtigen Moment verankert. Im Gespräch mit OMNIRES spricht die Designerin über ihr Leben in einer spanischen Kleinstadt, über Inspirationen aus Architektur, Kunst und Handwerk sowie über die Rolle von Materialien, Details und Intuition bei der Gestaltung von Räumen, die berühren, umhüllen und ein Gefühl von Authentizität vermitteln.

 

Fotos und Videos: ZASOBY STUDIO  |  Gespräch: Redaktionsteam von OMNIRES

ZWISCHEN GESCHICHTE UND ALLTAG

Die Wohnung und das Studio von Kristina Busko, gelegen in einer kleinen Bergstadt in der Provinz Alicante, bilden einen Ort, an dem sich Alltag und kreativer Prozess auf natürliche Weise durchdringen. Umgeben von einer Architektur mit jahrhundertealter Geschichte – einer Burg aus dem 13. Jahrhundert und einer Kathedrale an der Schwelle zwischen Gotik und Renaissance – findet die Designerin eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration und einen Resonanzraum für die Entwicklung ihrer eigenen ästhetischen Sprache. In dieser intimen Umgebung, fernab der Dynamik großer Metropolen, hat sie ideale Bedingungen gefunden, um nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben und zu gestalten.

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Wie begann Ihre Geschichte als Designerin?

Alles begann mit dem Zeichnen – allerdings nicht von Interieurs, sondern von Mode. Ich skizzierte Silhouetten von Models, Frauen und Kleidungsstücken. Das hat mich vollkommen fasziniert. Ich erinnere mich an die Schneiderbücher aus den 1990er-Jahren, die meine Großmutter aufbewahrte – mit breiten Schultern und schmalen Hüften. Für mich hatte das beinahe etwas Magisches. Ich beobachtete, wie ein einziger Schnitt die Wahrnehmung eines gesamten Kleidungsstücks verändern kann, und fragte mich, wie solche Formen entstehen. Bald begann ich, mit eigenen Entwürfen zu experimentieren, und schon während der Schulzeit stellte ich meine ersten Kollektionen zusammen – sorgfältig in Ordnern abgelegt und nach Saisons gegliedert: Herbst–Winter und Frühling–Sommer.


Wie hat sich Ihr Stil im Laufe der Zeit entwickelt?

Die Mode hat mir eine große Sensibilität für Stoffe vermittelt – für Materialien, die besondere Formbarkeit und Ausdruckskraft besitzen. Diese Faszination begleitet mich bis heute und fließt weiterhin in meine Entwurfsarbeit ein. Ich nehme eine Entwicklung in jeder Phase meines Weges wahr – sie steht im Zusammenhang mit dem Ort, an dem ich lebe, und mit meinem gewachsenen Mut zur Farbe. Zu Beginn meiner Laufbahn erschienen mir selbst Entscheidungen über Details wie Stuck, Schalter oder Kunstwerke als große Herausforderung. Ich beobachtete bedeutende Architekten, die mit bemerkenswerter Leichtigkeit unterschiedlichste Elemente kombinierten – Kelims, Gobelins, Retro-Schalter, unter Putz verborgene Fresken, Murano-Lüster – und fragte mich, wann ich selbst auf diese Weise gestalten würde. Darin liegt bis heute mein Anspruch. Ich habe das Gefühl, dass dies erst der Anfang ist, und bin neugierig darauf, wohin mich dieser Weg noch führen wird.

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Wie verläuft Ihr Entwurfsprozess?

In der Malerei gilt ein Grundsatz: vom Allgemeinen zum Detail. In der Innenarchitektur verhält es sich theoretisch ähnlich – man beginnt mit Funktion, Grundriss und technischen Anschlüssen. Bei mir ist es jedoch oft umgekehrt. Manchmal genügt ein einziges Objekt, ein einzelnes Element. Oder der flüchtige Anblick eines Menschen in grünen Shorts und einem rosa T-Shirt – eine unerwartete Farbkombination, die plötzlich den Impuls auslöst, einen Raum zu entwerfen, obwohl ich noch gar nicht weiß, wie er aussehen wird. Es ist ein wenig so, als würde man die Augen zusammenkneifen: Die Details verschwimmen, doch Farbflächen, Konturen und Hintergründe treten hervor. Und genau daraus beginnt sich eine Idee zu formen – lange bevor ich mich bewusst mit Funktion oder technischer Struktur befasse. Es kommt vor, dass ich ein Projekt mehrere Tage bewusst ruhen lasse, weil ich spüre, dass der Gedanke Zeit braucht, um zu reifen. Ich habe gelernt, dass Ideen ihren eigenen Rhythmus haben – sie kommen von selbst, es ist nur eine Frage der Zeit. Deshalb zwinge ich mich nicht, von morgens bis abends zu arbeiten. Kreative Arbeit folgt ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten. Nur wenn man diesen Rhythmus respektiert, entstehen Dinge, die wirklich Bestand haben.


Wenn die Idee für ein Projekt einmal da ist – wie arbeiten Sie technisch weiter?

Über viele Jahre war mein Büro mobil, beinahe nomadisch. Meist begann ich mit Skizzen auf dem Laptop, weil es das einzige Werkzeug war, das ich überallhin mitnehmen konnte – an den Strand, ins Café oder auf Reisen. Erst seit Kurzem kann ich wirklich meine Flügel ausbreiten und in meinem eigenen Studio arbeiten – mit Mustern, die sich frei auf dem Tisch verteilen. Ich liebe es, wenn alles ausgebreitet ist. Dieses kreative Chaos ist der Zustand, in dem ich am besten funktioniere. Proben, die mit dem Lineal ausgerichtet sind, kann ich nicht ertragen. Sobald alles zu ordentlich und zu perfekt wird, verliere ich den Kontakt zur Idee und vergesse, was ich eigentlich schaffen wollte. Ich habe verstanden, dass genau das meine Methode ist – und dass ich mich für dieses gestalterische Chaos nicht rechtfertigen muss.

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Wie wählen Sie Materialien und Texturen aus?

Die Taktilität bestimmt für mich das Zusammenspiel der Materialien. Manchmal tritt sogar die Farbe hinter dem Tastsinn und der Wahrnehmung der Oberfläche zurück. Jedes Projekt folgt jedoch seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten, weshalb die Farbpalette im Dialog mit der Person entsteht, die später in diesem Raum leben wird. Es gibt zahlreiche Etappen und Versuche. Meist beginne ich mit einem eigenen Vorschlag – oft anders als im Briefing vorgesehen. Ich möchte Grenzen verschieben und herausfinden, wie weit das Vertrauen des Kunden reicht, ob er bereit ist, sich überraschen zu lassen. Ich bin überzeugt, dass Menschen zu mir kommen, weil sie etwas suchen, das sie so noch nicht gesehen haben. Würde ich nur zeigen, was ihnen aus früheren Interieurs bereits vertraut ist, verlöre das Gestalten seinen Sinn.

 

Welche Geschichte erzählt das Materialboard, das Sie für OMNIRES vorbereitet haben?

Die Zusammenstellung der Materialien, die ich für OMNIRES entwickelt habe, ist eine Form des Spiels. Ein Wagnis. Ein Leben im Moment. Sie ist zutiefst authentisch und eng mit dem Ort verbunden, an dem ich lebe und arbeite. Die gesamte Komposition wirkt warm, umhüllend und sinnlich. Ich wollte hier mit unerwarteten Materialien experimentieren – etwas so Beständiges wie Stein in einem intensiven Rot zeigen, kompromisslos und ohne Zurückhaltung. Terrakotta erscheint in zahlreichen Nuancen, darunter auch der charakteristischste Stein dieser Region – der Marmor Rojo Alicante. Hinzu kommen Keramiken polnischer Kunsthandwerker: nicht rektifizierte, handgeformte Fliesen in Kobaltblau und tiefem Flaschenbraun, mit unterschiedlichen Stärken und feinen Unregelmäßigkeiten. Auch Textilien spielen eine wichtige Rolle – meine geliebten Jacquards, ein blauer Akzent aus einem eigens entworfenen Kopfteil sowie Violett- und Bordeaux-Töne, jene weinähnlichen Nuancen, die in Spanien so präsent sind. Die Materialien und Farben wirken sanft gealtert, und das Gesamtbild wird durch eine Retro-Armatur in Chrom vollendet, die den Charakter des Interieurs wirkungsvoll unterstreicht.

DIE KUNST DER AUSWAHL

Für Kristina Busko sind es Accessoires und Möbelstücke mit Geschichte, die einem Interieur seinen endgültigen Sinn und seine emotionale Tiefe verleihen. Sie versteht sie als Elemente, die ein Projekt nicht nur vollenden, sondern seine Identität prägen. Ihre Auswahl erfordert Zeit, Geduld und eine sorgfältige Suche – oft abseits der offensichtlichen Wege. Die wertvollsten Objekte findet sie bei lokalen Sammlern und Handwerkern, die nicht öffentlich werben, deren Wissen und Respekt vor dem Material jedoch jedes Stück zu einem Träger von Erinnerung machen. Mit derselben Leidenschaft integriert die Designerin Elemente aus Polen, Italien und Spanien. Sie ist überzeugt, dass erst Objekte mit Vergangenheit einen Raum in einen wirklich persönlichen und unverwechselbaren Ort verwandeln können.

Ich liebe den Moment, in dem malerische Bildkompositionen entstehen. Es ist die Krönung des gesamten Prozesses – ich übergebe ein Projekt nicht nur als Raum, sondern auch als eine in der Inszenierung verdichtete Erzählung.

Schon bald eröffnet im Warschauer Stadtteil Powiśle der OMNIRES Showroom, in dem neben dem Markenportfolio auch eigens entwickelte Materialkompositionen führender polnischer Innenarchitekten präsentiert werden – darunter Kristina Busko. Ihr Materialboard ist eine umhüllende, expressive Erzählung über den Mut zur eigenen Entscheidung – eine Einladung, im Moment zu leben und dem eigenen Instinkt zu folgen, unabhängig von wechselnden Trends. Vollendet wird die Komposition durch Armaturen aus der Kollektion OMNIRES RETRO in poliertem Chrom, die das Gesamtbild zu einer eleganten, vielschichtigen und multisensorischen Einheit verbinden.