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Gestaltung im COI Studio / Craft of Interior ist ein vielschichtiger Prozess, der mit Gespräch, Emotion und Intuition beginnt und in einer präzise komponierten Form mündet. Monika Rogusz-Witkoś verbindet Sinnlichkeit mit modernistischer Klarheit und versteht den Innenraum als eine Erzählung, die sich mit der Zeit entfaltet. In der Zusammenarbeit mit ihren Kunden stellt sie ihre eigenen Vorlieben bewusst zurück. Jedes Projekt wird zu einer individuellen Komposition – ausgewogen, ausdrucksstark und offen für persönliche Geschichten sowie für die jeweilige Lebensphase seiner Nutzer. Im Gespräch mit OMNIRES spricht die Designerin über ihr Traumhaus, das Arbeiten mit Emotionen und Sinnen sowie über die zentrale Bedeutung von Materialien, Texturen und Details bei der Gestaltung komfortabler, authentischer Innenräume.
Fotos und Videos: ZASOBY STUDIO | Gespräch: Redaktionsteam von OMNIRES
Die historische Villa in Wrocław, geprägt vom Geist des amerikanischen Modernismus der 1970er-Jahre, ist heute sowohl Wohn- als auch Arbeitsort von Monika Rogusz-Witkoś – ein natürlicher Ausdruck ihrer ästhetischen Sensibilität. Das vom Architekten Waldemar Wawrzyniak für den renommierten Mathematikprofessor Andrzej Hulanicki entworfene Haus war über viele Jahre ein Treffpunkt für Wissenschaft und Kunst. Bis heute bewahrt das Gebäude seinen unverwechselbaren Charakter, während seine Innenräume die Spuren jener Menschen tragen, die hier einst lebten und wirkten. An diesem Ort – der für die Designerin die Erfüllung eines Traums ist – verschmelzen Familienleben und die kreative Arbeit des COI Studio / Craft of Interior zu einer stimmigen, in sich geschlossenen Erzählung.
Identifizierst du dich als Designerin mit dem Stil deines Hauses?
Der Stil und die Atmosphäre dieses Hauses sind mir unglaublich vertraut. Sie spiegeln meine Art wider, über Architektur und Innenräume nachzudenken, ebenso wie meinen persönlichen gestalterischen Weg. Der Modernismus der 1970er-Jahre, insbesondere der amerikanische, war meine erste und stärkste Faszination – nicht der strenge Funktionalismus, sondern ein organischer Modernismus, der sich später in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelte, unter anderem zum Laurel-Canyon-Stil. Ich hatte schon immer eine große Nähe dazu; sogar meine Masterarbeit war in dieser Ästhetik verankert. Mit der Zeit hat sich meine gestalterische Sprache weiterentwickelt. Ich mag keine Wiederholungen, ich kann nicht jahrelang dasselbe gestalten. Und doch habe ich das Gefühl, dass sich – selbst bei formal sehr unterschiedlichen Projekten – eine klare, wiedererkennbare Sprache entwickelt, die unser Studio auszeichnet.
Was definiert dich als Designerin am meisten? Wie würdest du deine Identität beschreiben?
Ich kann mich nicht in allgemeinen Kategorien definieren, da ich den Gestaltungsprozess sehr vielschichtig begreife. Meine Identität verändert sich je nach Beziehung zu einem anderen Menschen und danach, wie ich über Form und Raum nachdenke. Wenn ich den Stil unseres Studios in zwei Worten beschreiben müsste, wären es Sinnlichkeit und Modernismus. Auf der einen Seite stehen Emotionalität und Sinnlichkeit – eine Ebene, die sich darauf konzentriert, wie sich der Mensch im Raum fühlt, auf sein Wohlbefinden und seine Geborgenheit. Auf der anderen Seite steht die Faszination für Modernismus, Proportion, Rhythmus und konstruktive Strenge. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes meiner Projekte modernistisch ist. Vielmehr bleibt diese Denkweise stets im Hintergrund präsent – selbst dann, wenn die finale Form eine ganz andere Ausdrucksweise annimmt.
Welche Werkzeuge nutzt du, wenn du in die visuelle Phase eintrittst?
Ich beginne mit einer Projektlandkarte und erstelle anschließend ein erstes Moodboard, das noch nicht mit konkreten Gestaltungsentscheidungen verbunden ist. Es ist ein Stimmungs-Moodboard, das der Kunde nie zu sehen bekommt. Es besteht aus Magazinausschnitten, Kunstfragmenten, Zitaten aus Büchern und manchmal auch aus einzelnen Worten. Sehr wichtig ist für mich auch Musik. Ich frage meine Kunden oft, was sie gerne hören – das ist eine meiner „geheimen“ Fragen, die mir helfen, die emotionale Erzählung eines Projekts schnell zu erfassen. Musik versetzt mich in einen kreativen Zustand jenseits von Kontrolle und Analyse. Dieses erste Moodboard steht für Freiheit und Erkundung – ein spielerisches Annähern an das Thema, die Suche nach Atmosphäre, ohne Entscheidungen zu treffen. Das zweite Moodboard entsteht erst am Ende des Prozesses. Es ist eine Zusammenstellung von Materialien, Farben und ihren Beziehungen zueinander und eng mit dem visuellen Konzept verbunden, das sich während des gesamten Projekts entwickelt hat.
Woher kam der Wunsch, eigene Objekte zu entwerfen?
Ich liebe es, Details und Objekte zu gestalten – Möbel, Leuchten und maßgefertigte Tischlerlösungen. Dank meiner engen Zusammenarbeit mit Handwerkern kann ich sehr individuell arbeiten. Diese Individualität interessiert mich besonders – unabhängig davon, ob sie vom Kunden ausgeht oder aus der Erzählung eines Projekts entsteht. In unseren Projekten greifen wir nur selten auf Standardlösungen zurück. Das Entwerfen eigener Details und Objekte gibt mir große Freude und ein starkes Gefühl kreativer Freiheit. Aktuell entwickle ich neben dem COI Studio auch eine neue Marke – COI Object. Diese eigenständige Marke wird bald das Licht der Welt erblicken. Ich betrachte dies als einen natürlichen nächsten Schritt in meiner beruflichen Entwicklung.
Welche Rolle spielen Materialien in deinen Projekten?
Ich begegne Materialien mit großem Respekt. Sie tragen Emotionen in sich und sind entscheidend für den Erfolg eines Projekts. Die von uns gewählten Materialien müssen nicht nur visuell überzeugen, sondern auch Komfort und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Die Sinnlichkeit in ihrer Auswahl ist für mich grundlegend. Wir möchten Räume schaffen, in denen Menschen gerne leben – Innenräume, die nicht nur beeindrucken, sondern im Alltag Geborgenheit und Wohlbefinden schenken. Deshalb arbeiten wir mit edlen, natürlichen Materialien: hochwertigen Stoffen, Holz, Stein, Terrazzo, Glas und Metallen. Besonders reizvoll finde ich Kontraste – das Zusammenspiel von Weichem und Kühlem, Glattem und Rauem. Es ist genau dieses Wechselspiel aus Farben, Texturen und Materialien, das den visuellen Charakter eines Konzepts prägt.
Wie bist du an das Materialboard für OMNIRES herangegangen?
Ich habe das Materialboard wie eine musikalische Komposition behandelt – mit Fokus auf Rhythmus, Melodie und Harmonie. Farblich habe ich eine überwiegend monochrome Basis gewählt, gleichzeitig aber auf starke Materialkontraste gesetzt: rau und glatt, warm und kühl, weich und hart – fast nach dem Prinzip von Positiv und Negativ. Diese Gegenüberstellungen sollen Emotionen wecken, Eindrücke stimulieren und vielleicht sogar regulieren. Das für OMNIRES entwickelte Materialboard ist kein Katalog fertiger Lösungen. Es ist eine Erzählung über die Inspirationsphase – über die Beziehungen zwischen Materialien und den Dialog, den sie miteinander führen. Ich wollte die Fantasie anregen und sowohl Designer als auch Betrachter ermutigen. Das Board soll leicht geheimnisvoll wirken, sinnlich und bewusst nicht eindeutig. Ich habe gebeiztes Holz mit Keramik, Terrazzo, Stein, Glas sowie ausdrucksstarken, kräftigen Stoffen kombiniert. Ergänzt wird die Komposition durch gebürstetes Nickel in Form der OMNIRES-Armaturen, das wunderbar mit der Weichheit der Materialien harmoniert. Solche Kombinationen faszinieren mich – Materialien, die miteinander „sprechen“ und sich schließlich zu einem stimmigen Ganzen verbinden.
Der Gestaltungsprozess von Monika basiert auf einem aufmerksamen, mehrstufigen Dialog – mit dem Menschen ebenso wie mit dem Raum. Emotionen und Sprache bilden den Ausgangspunkt und prägen die Erzählung sowie die Richtung eines Projekts, noch bevor visuelle Referenzen oder formale Lösungen entstehen. Erst später folgt die Analyse des Ortes – seiner Geschichte, Architektur und Atmosphäre – wobei alle Eindrücke durch die Intuition der Designerin gefiltert werden. Die finale Phase ist ein schöpferischer Akt, in dem Emotionen und Beobachtungen in eine konkrete Form übersetzt werden: Raumaufteilung, Volumen und die sorgfältige Auswahl von Materialien, die gemeinsam einen kohärenten, auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmten Raum schaffen.
In meinen Projekten offenbart sich nicht alles auf den ersten Blick. Viel hängt vom Betrachter ab. Manche Innenräume sind sehr ausdrucksstark und wirken sofort, andere besitzen verborgene Ebenen. Um sie wirklich zu erleben, muss man zurückkehren – in einer anderen Stimmung, zu einem anderen Zeitpunkt im Leben.
Bald eröffnet im Warschauer Stadtteil Powiśle der OMNIRES Showroom. Neben dem Portfolio der Marke werden dort eigens entwickelte Materialkompositionen führender polnischer Innenarchitekten präsentiert – darunter auch Monika Rogusz-Witkoś vom COI Studio / Craft of Interior. Ihr Materialboard erzählt eine sinnliche Geschichte über Beziehungen zwischen Materialien, aufgebaut auf Rhythmus, Harmonie und subtilen Kontrasten. Die Komposition wird durch Armaturen aus der OMNIRES Y Kollektion in gebürstetem Nickel zusammengeführt und bildet ein elegantes, multisensorisches Gesamtbild.